Gewaltfreie Kommunikation

In unserer Umgebung begegnen uns oft Menschen, die wir ein bisschen eigenartig oder schwierig finden oder die Dinge sagen, mit denen wir eher nicht einverstanden sind. Das muss nicht gleich zu Konflikten führen. Vielleicht haben wir genügend inneren Abstand zu diesen Menschen oder vielleicht versuchen wir auch, diesen Begegnungen besser aus dem Weg zu gehen.

Handelt es sich aber z.B. um Arbeitskollegen, geht das nicht mehr so einfach. Jetzt müssen wir uns mit den Differenzen ernsthaft befassen, ohne ihnen ausweichen zu können.

Und Menschen, die zusammen ein Wohnprojekt auf die Beine stellen wollen, finden sich oft nach kurzer Zeit vor genau denselben Herausforderungen wieder. Liegen die Standpunkte scheinbar zu weit auseinander, kann das auch dazu führen, dass das Projekt bereits in dieser Phase scheitert.

Der Konflikt, dein lästiger Begleiter? Nein! Der Konflikt als Chance, zusammenzuwachsen!

Die Gewaltfreie Kommunikation nach M.B. Rosenberg sieht den Konflikt als eine Wachstumsmöglichkeit für alle Beteiligten. Es geht weder um die Frage, wer Recht hat, noch darum, einen Kompromiss zu finden. Sondern um die Frage, welche Bedürfnisse möchtest du dir erfüllen? Eine Frage, die wir häufig gar nicht so einfach beantworten können. Oft sind wir nämlich so mit unseren Handlungsstrategien beschäftigt, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken, ob das Ziel, das wir anstreben, tatsächlich unsere Bedürfnisse erfüllt. Dass wir in diese Falle getappt sind, merken wir erst dann, wenn wir mit uns oder unseren Ergebnissen unzufrieden sind, obwohl wir alles nach Plan gemacht haben.

Der Weg der Gewaltfreien Kommunikation hilft von Anfang an, diese Falle zu vermeiden. Die Frage nach unseren Bedürfnissen lenkt den Blick weg von den Handlungsstrategien hin zu meinem Gegenüber, seinen Vorstellungen und seinen Wünschen. Tauschen wir uns darüber aus, verschwindet das Konfliktpotenzial mitunter ganz von selbst. Das ist auch genau die Grundlage vom Dragon Dreaming nach John Croft.

Das vierschrittige Vorgehen der Gewaltfreien Kommunikation ist eine sehr universelle Methode. Sind mir ihre Grundlagen vertraut, kann sie mir in allen Situationen helfen, in denen es um zwischenmenschliche Begegnung geht.

In der Partnerschaft ist sie ein hervorragendes Konzept, einen bewussten Umgang miteinander und bei Konflikten zu trainieren, in der Familie lernen die Kinder sie manchmal schneller als die Erwachsenen, im Arbeitsumfeld sorgt sie häufig schon nach kurzer Zeit für spürbare Veränderungen und sie ist völlig unabhängig vom Lebensalter der Beteiligten.

Lernen wir als Wohnprojekt-Gruppe die Gewaltfreie Kommunikation von Anfang an miteinander, werden wir im gegenseitigen Austausch z.B. Konkurrenz- oder Rivalitätstendenzen sehr schnell ablösen durch den Wunsch, miteinander zu kooperieren. Auftretende Konflikte können wir so klären, bevor sie eskalieren. Damit haben wir eine starke Basis, unser Projekt auch durch schwierige Zeiten zu steuern. Und als „Nebeneffekt“ lernen wir uns dabei als Menschen sehr viel besser kennen.

Als Symboltier wählte M.B. Rosenberg die Giraffe. Sie hat von allen Landlebewesen das größte Herz. Damit ist sie Sinnbild für Überblick, Wohlwollen, Mitgefühl und Achtsamkeit.